Was sind Schulregeln eigentlich?

Jeder kennt bestimmte Schulregeln vermutlich noch aus den eigenen Schultagen. Häufig hingen sie als Merkblatt gut sichtbar im Pausenraum aus, manch einer musste sie vielleicht sogar einmal als Strafaufgabe abschreiben. So merkwürdig man sie aus Schülersicht auch empfunden haben mag: Nützlich waren sie doch. Für das Wohlergehen aller hatten sie durchaus einen unverzichtbaren Stellenwert. Ohne Regeln in der Schule würde ein harmonisches Zusammenleben nämlich kaum funktionieren. Jede/r Schüler/in ist verschieden, sowohl vom Leistungsstand als auch von den individuellen Interessen her. Dasselbe gilt ebenfalls für die Lehrerschaft. Aus diesem Grund ist das schulische Umfeld besonders konfliktgefährdet. Die Schulregeln richten sich an jeden Einzelnen und sollen helfen, das Konfliktpotential so gering wie nur möglich zu halten. Idealerweise vermitteln sie allen Anwesenden ein spürbares Sicherheitsgefühl. Überdies richten sich die Schulregeln gleichermaßen sowohl an die Schüler/innen als auch an das Lehrerkollegium, einschließlich der Direktion.  

Üblicherweise werden Regeln an der Schule immer ‚von oben‘, also von der Schulleitung vorgegeben. Bei Bedarf schreitet sie ein, wenn die Regeln (wiederholt) nicht eingehalten beziehungsweise absichtlich missachtet werden. In diesem Fall geht es nicht ums Bestrafen, sondern um die Vermeidung von Eskalationen oder gar Gefahren. Gleichzeitig muss man an als Rektor/Lehrer an dieser Stelle differenziert vorgehen: Nicht jede Verfehlung oder marginale Unterrichtsstörungen sind ein schwerer Verstoß gegen die Schulregeln und müssen streng geahndet werden. Ein solches Verhalten wäre von Seiten der Schule nicht angemessen. Dennoch muss ein tatsächliches Überschreiten der Regeln erkannt und entsprechend sanktioniert werden – bei Schülern wie bei Lehrkräften. 

Trotz allem darf die Schule den Fortschritt nicht zu kurz kommen lassen.

Von Zeit zu Zeit sollten die Schulregeln von der Leitung kritisch überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden. Alternativ beruft man zu dem Anlass eine Lehrerkonferenz ein. Überflüssige oder unnötige Regeln können gestrichen und um eine modernisierte Variante ersetzt werden.

Wofür sind die Regeln wichtig?

Worin besteht ihr Zweck?

Von den ersten Jahren an der Grundschule bis kurz vor dem Abitur bleiben Regeln in der Schule ein täglicher Begleiter in den Bildungseinrichtungen. Keiner der Schulregeln wird willkürlich aufgestellt, sondern jede von ihnen erfüllt eine wichtige Aufgabe. Dies sollte gerade den Schülern von Anfang an verständlich gemacht werden. Dafür eignet sich beispielsweise der erste Schultag nach den Sommerferien. Auf diese Weise wird die Schülerschaft schrittweise mit den Schulregeln vertraut gemacht. Somit begreifen sie das Regelwerk oft weniger als eine Ansammlung von Verboten, sondern können es anschließend leichter als eine Hilfestellung für ein harmonisches Miteinander anerkennen. Konfliktsituationen kommen im Laufe der Zeit dennoch vor, aber das langsame Heranführen an Regeln ist ein gelungenerer Einstieg als das Einfordern eines blinden Gehorsams.

Leider sind Schulen hinlänglich als ein Nährboden für Mobbing bekannt. Dies gilt es durch Verhaltensregeln zu unterbinden. Regeln in der Schule dienen daher in erster Linie dem Allgemeinwohl. Zudem sollen mithilfe von Schulregeln Unterrichtsstörungen vermieden und die Sicherheit beziehungsweise Unversehrtheit jedes Einzelnen gewährleistet werden. Niemand soll mit Angst in die Schule gehen müssen. Nicht allein die Kinder, sondern auch alle Lehrer oder weitere Mitarbeiter. Jede Form von Gewalt widerspricht dem schulischen Regelwerk. Unter den Begriff ‚Gewalt‘ fallen sowohl die physische als auch die psychische oder verbale Gewalt.

Welche Schulregeln sind überhaupt sinnvoll?

Zunächst ein paar Worte vorweg: Weder Lehrer noch Schüler sind in der Lage, ganze Seiten von Regeln lückenlos zu verinnerlichen und sich in jeder Situation daran zu halten. Dieser Gedanke ist schlichtweg nicht realistisch. Ebenso fällt das Einhalten von zu detaillierten Regeln schwer. Eine überschaubare Sammlung an Schulregeln, die zudem noch leicht verständlich formuliert ist, erfüllt ihren Zweck hingegen besser. Aus diesem Grund sind wenige Regeln an der Schule zumeist zielführender als viele.

Häufig geht der Übergang vom Kindergarten an eine Schule bei vielen Kindern nicht gerade mühelos vonstatten. Einerseits ist für sie das gesamte schulische Umfeld völlig fremd, die Zusammenkunft in eine neue Klassengemeinschaft unterscheidet sich von der Kindergartengruppe. Andererseits sind die Schulanfänger nicht an einen festen Stundenplan gewöhnt, weshalb die Konzentration vor allem am Anfang oft schnell nachlässt. Der Schritt in die Schulwelt kann sich schnell zu einer Überforderung entwickeln. Auf der Grundschule stellen vielfach Ruhestörungen im Unterricht ein Problem dar. In den ersten Schuljahren sind daher Regeln für eine gelungene Kommunikation sehr wichtig. In den späteren Jahrgängen auf weiterführenden Schulen beinhalten die Regeln Hinweise für eigenverantwortliches Lernen, heutzutage beziehen sie sich zusätzlich auf eine korrekte Mediennutzung. Regeln für einen höflichen Umgang sind wiederum alters- und schulformübergreifend.

Bei welchen Gelegenheiten sind Regeln an der Schule also sinnvoll? Immer dann, wenn die Forderung nach einem respektvollen, toleranten Umgang untereinander im Vordergrund steht. Die Regeln haben das Wohl der Mehrheit im Blick. Schulregeln, die nur einzelne Gruppen oder Personen betreffen, ergeben daher wenig Sinn. Sie sollten übergreifend gestaltet sein. Letztlich verbindet der Wunsch nach Akzeptanz und Rücksichtnahme alle Beteiligten. Für die regulären Unterrichtsstunden sind Regeln erforderlich, um Unterrichtsstörungen effektiv entgegenzuwirken. Während eines Unterrichtsgesprächs meldet sich jeder und spricht erst dann, nachdem der Lehrer ihn aufgefordert hat. Die Standpunkte anderer Mitschüler werden respektiert, man lässt sich gegenseitig ausreden anstatt sich ins Wort zu fallen.

Im Übrigen sind in den Sportunterrichtsstunden besondere Vorsichtsmaßnahmen angezeigt. Beim Ballspiel oder Wettrennen besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Die Lehrkraft sollte während des Sportunterrichts grundsätzlich in der Halle mit anwesend sein, um bei gefährlichen Situationen sofort einschreiten zu können. Gerade unsportliche Schüler sind in diesen Unterrichtsstunden vielfach Mobbingangriffen ausgesetzt. Darauf sollten die Schulregeln Bezug nehmen, derartige Übergriffe dürfen seitens der Schule keineswegs geduldet werden. Ähnliche Vorgaben hinsichtlich eines korrekten Verhaltens untereinander sind für die Pausen ratsam. Ein Lehrer fungiert als Aufsicht auf dem Schulhof, im Bedarfsfall wirkt er Konflikten unter Schülern entgegen. In beiden Umfeldern sind zudem Spielgeräte oder fremdes Eigentum involviert. Hier sind Regeln notwendig, um Sachbeschädigungen zu verhindern. Nach den Sportstunden verbleiben beispielsweise die Bälle in den dafür vorgesehenen Regalen, in den Schulhofpausen darf der Besitz eines Anderen nicht entwendet oder beschädigt werden. Vor allem an Grundschulen spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle.

Wenn diese Ratschläge beachtet werden, dürfte einem gelungenen Zusammenleben in der Schulwelt kaum etwas im Weg stehen. Schließlich wollen alle Anwesenden am Ende friedlich miteinander auskommen können. Dieses Bestreben eint die gesamte Schule und sollte sich in den Schulregeln niederschlagen.